Belt and Road Initiative: Projekte im Stresstest

An der chinesischen Belt and Road Initiative sind mittlerweile 138 Länder beteiligt. Aktuell existieren rund 120 Projekte. Durch die Corona-Pandemie wurden fast 20 Prozent der Projekte ernsthaft verzögert.

Redaktion: Dirk Ruppik.

Die „One Belt, One Road”-Initiative (OBOR) der chinesischen Regierung wurde laut der Studie „Europe and China’s New Silk Roads“ (Dezember 2016) des European Think-tank Network on China (ETNC) von der chinesischen Regierung im Herbst 2013 als Schlüsselkonzept für die Außenpolitik des Landes ins Leben gerufen. In 2016 wurde sie in Belt and Road Initiative (BRI) umbenannt und auf dem Belt and Road Forum for International Cooperation im Mai 2017 von Präsident Xi Jinping als neue Version der alten chinesischen Seidenstraße und als neues goldenes Zeitalter für die internationale Kooperation beschrieben. Mittlerweile sind daran 138 Länder beteiligt.

„Die Infrastruktur-Vernetzung ist die Basis für eine gemeinsame Entwicklung durch Kooperation. Wir sollten die Vernetzung von Land-, See-, Luft- und Internetinfrastruktur fördern und unsere Anstrengungen auf Schlüsselverbindungen, -städte und -projekte konzentrieren. Die Straßen-, Schienen- und Hafennetzwerke sollten verbunden werden. Es wurden sechs Wirtschaftskorridore im Rahmen der Belt and Road Initiative bestimmt, deren Entwicklung wir vorantreiben sollten“, sagte Xi. China will bis zum Jahr 2049 zur globalen Wirtschaftsmacht aufsteigen.  Die Landroute (Silk Road Economic Belt) verläuft von China über Zentralasien und Russland nach Europa. Der Seeweg (Maritime Silk Road) führt vom Chinesischen Meer über den Indischen Ozean, das Rote Meer und den Suezkanal in das Mittelmeer bis nach Europa. Laut des Präsidenten will China die Freundschaft und Kooperation mit allen an der BRI beteiligten Staaten anhand von fünf Prinzipien der friedvollen Koexistenz verstärken. „Wir wollen Entwicklungspraktiken mit den Teilnehmerländern teilen aber wir haben keine Intention uns in die internen Angelegenheiten von anderen Länder einzumischen oder unsere Gesellschaftsform und Entwicklungsmodell bzw. unseren Willen aufzuoktroyieren “, sagte Xi in seiner Rede. Er fügte an: „Wir werden nicht auf ausgedientes geopolitisches Manövrieren zurückgreifen. Wir wollen eine neue Win-Win-Kooperation und eine harmonische Koexistenz für eine große Staatenfamilie schaffen.“

Sechs Wirtschaftskorridore.
Die sechs Wirtschaftskorridore sind nament-lich die Neue Eurasische Landbrücke, der China-Mongolei-Russland Wirtschaftskorridor, der China-Pakistan Wirtschaftskorridor, der Zentralchina und Westasien Wirtschaftskorridor, der China-Indochinesische Halbinsel Wirtschaftskorridor sowie der Bangladesch-China-Indien-Myanmar Wirtschaftskorridor. Die Neue Eurasische Landbrücke (auch Zweite Eurasische Kontinentalbrücke) verbindet den Pazifischen Ozean mit dem Atlantischen Ozean. Sie entspricht der soge-nannten Südroute, ist also südlich von der Mongolei gelegen, und erstreckt sich von den chinesischen Städten Lianyungang und Rizhao bis nach Rotterdam in Holland und Antwerpen in Belgien. Die 10800 km lange Schienenverbindung kreuzt Kasachstan, Russland, Weißrussland, Polen und Deutschland. Bis dato haben bereits verschiedene transkontinentale Eisenbahnverbindungen ihren Service begonnen: Chongqing-Xinjiang-Europa-Verbindung (nach Duisburg via Polen), Chengdu-Xinjiang-Europa-Verbindung (nach Polen) und die-Yiwu-Xinjiang-Europa-Bahn (nach Madrid). Die zum Korridor gehörigen Schnellstraßen, Hochspannungs-leitungen und Häfen sind im Bau.

Konkrete Projekte.
Die Projekte im Rahmen der BRI sind überwiegend in den Bereichen Infrastruktur, Transport, Energie, Rohstoffabbau, IT und Kommunikation angesiedelt. Darüber hinaus werden auch Industrieparks, Sonderwirtschaftszonen, der Tourismus und Städte entwickelt. Viele der Projekte wurden schon in 2013 begonnen, haben aber durch die Initiative Fahrt aufgenommen.

Hafen Gwadar.
Der Hafen Gwadar in Pakistan gilt als Vorzeigeprojekt der BRI und damit der chinesischen Regierung. Der Vorsitzende der Gwadar Port Authority Naseer Khan Kashani sagte in 2019 zur China Today: „Wenn Gwadar erfolgreich wird, wird der China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) fuktionieren. Wenn die CPEC funktioniert, wird die BRI erfolgreich sein.“ Durch die geplanten Erweiterungen soll der Hafen innerhalb der nächsten fünf Jahre zum größten Schifffahrtszentrum in Südasien aufsteigen. Ab 2030 ist ein Umschlagsvolumen von 400 Millionen Tonnen jährlich geplant. Die besondere Bedeutung von Gwadar liegt in der Funktion als wichtiger Transportweg für Öl zwischen den Produzenten im nahen Osten und den Schlüsselmärkten im Asien-Pazifik-Raum, Europa, Nordamerika, u. a.. Gwadar liegt nahe zum Golf von Persien aus dem 40 Prozent des weltweit verkauften Rohöls stammen. China befriedigt 50 Prozent seines Ölbedarfs aus dieser Region. Bisher wird dieses Öl via der Dubai-Shanghai-Urumqi-Route importiert. Durch den direkten Weg mittels einer Pipeline via Gwadar nach Urumqi würde sich der Weg von 10000 km auf 3600 km stark verkürzen.

China-Europa-Eisenbahnverbindungen.
Chengdu, Chongqing und Zhengzhou sind wichtige Städte die durch die China-Europa-Eisenbahnverbindungen mit 50 Städten in 15 europäischen Ländern verbunden sind. Im ersten Halbjahr 2019 hat sich die Anzahl der Frachtzüge (539) laut Zhengzhou Zoll zwischen der Provinz Henan und Europa gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt (+90,5 Prozent). Die Züge transportierten 230000 Tonnen Güter im Wert von 1,57 Milliarden USD (1,39 Milliarden Euro). Während der Corona-Krise wurden die Frachtzugverbindungen für Händler aus China und Europa durch die Einstellung von Frachtflügen und Containerschifflinien extrem bedeutsam. Im März brachte ein Frachtzug 110000 medizinische Masken und 776 Schutzanzüge von Yiwu innerhalb von 17 Tagen ins 13.000 km entfernte stark vom Virus gebeutelte Spanien.

Weitere bedeutende Projekte.
Weitere wichtige Bahnverbindungen der Initiative sind die 1000 km lange China-Laos-Schnellzugverbindung zwischen Kunming in China und Vientiane in Laos. Sie soll noch von Ende 2021 eröffnet werden und wird zusammen mit der China-Thailand-Schnellbahn (Bangkok nach Nongkai) als wichtige Transport- und Handelsroute für China nach Südostasien dienen und ebenso Laos dem Handel öffnen. Das wichtigste chinesische Transportprojekt in Europa ist die Belgrad-Budapest-Schnellbahn, die später bis zum durch die chinesische Containerreederei COSCO dominierten Hafen Piräus in Griechenland erweitert werden soll. Die Schnellbahn soll hauptsächlich für den Frachttransport genutzt werden. Piräus dient als wichtiges „Tor zu Europa“ für chinesische Händler. Der Ausbau wichtiger Häfen ist ebenso Teil der BRI. Dazu gehören Häfen wie Piräus, Colombo und Hambantota in Sri Lanka, Dawei in Myanmar, Duqm im Oman, Doraleh in Dschibuti, Haifa in Israel, u. a.. Insgesamt existieren fast 120 aktuelle Projekte (Link s. u.).

Einfluss der Pandemie.
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die BRI sind gewaltig. Die drastischen Eindämmungsmaßnahmen in China führten auf den zahllosen Baustellen für Kraftwerke, Hafenanlagen, Bahnstrecken oder Industrieanlagen zu Unterbrechungen und Verzögerungen. Im März 2020 sank das Bruttoinlandsprodukt des Landes der Mitte laut Statista auf -6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Dezember 2019 waren es +6,0 Prozent. „Rund 20 Prozent der Projekte wurde ernsthaft verzögert. Allerdings wurden nach unserem Wissen bisher keine Projekte eingestellt. Wir sind zuversichtlich, dass die Arbeiten beschleunigt durchgeführt werden, wenn sich die Situation weiter erholt“, sagte Wang Xiaolong. Generaldirektor der Abteilung für internati-onale Wirtschaftsangelegenheiten beim chinesischen Außenministerium zu Alzajeera. Die BRI hatte schon in 2018 einige Widerstände erlebt, als Behördenvertreter aus Indonesien, Malaysia und Sri Lanka einige Projekte als zu teuer und unnötig kritisierten und zudem den Verlust von unabhängigkeit und Korruption beklagten. China schraubte daraufhin einige Projekte zurück. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2020

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