Hafen Koper arbeitet am Ausbau der „Tradelane China“

Auch den Verantwortlichen im Hafen Koper sitzt der in den letzten Jahren neu entstandene Konkurrent aus Griechenland im Nacken. Das geben die slowenischen Gesprächspartner auf Anfrage unmissverständlich zu verstehen. Jedoch geraten sie deswegen nicht in Panik. Schließlich hat Koper viel zu bieten, und das muss man den Geschäftspartnern regelmäßig darlegen. Dafür reiste Dimitrij Zadel, President of the Management Board Luka Koper d. d., im Juni 2019 zusammen mit der slowenischen Verkehrsministerin Alenka Bratusek nach China. Neben anderen Terminen stand ein Besuch bei der Cosco Shipping Lines auf dem Programm.

Die chinesische Containerreederei hat ihre Liniendienste nach Europa in der jüngeren Geschichte massiv ausgebaut. Nutznießer dieser Entwicklung ist der griechische Hafen Piräus, den mittlerweile fünf Asien-Direktdienste pro Woche anlaufen. Das entspricht in etwa dem Angebot auf den Verbindungen in die Nordhäfen Hamburg und Rotterdam und mahnt die Managementstäbe in den anderen Mittelmeerhäfen zur Einleitung von Gegenstrategien. Dafür hat man auch in Koper ein Programm entwickelt, dessen Umsetzung mit Hochdruck vorangetrieben wird. Es beinhaltet neben dem Ausbau des Containerterminals auf 1,5 Mio. TEU Jahreskapazität Investitionen in die Erweiterung des Autoterminals und in die Modernisierung der Anlagen für den Bereich General Cargo.

„Koper ist der größte Containerumschlagplatz in der Adria“, streicht Miha Kalcic, Repräsentant des slowenischen Seehafens in Österreich im Gespräch mit dieser Zeitung hervor. Eine ähnliche Botschaft dürften Alenka Bratusek und Dimitrij Zadel den Verantwortlichen bei der Cosco Shipping Lines überbracht haben. Auch der Hinweis auf die im Vergleich zu Piräus kurzen Bahnverbindungen nach Süddeutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien und in die Slowakei könnte gefallen sein. Zwar erweist sich das erste Teilstück aufgrund der eingleisigen Streckenführung als ein kritisches Nadelöhr. Jedoch wird am Bau einer neuen zweigleisigen Trasse gearbeitet, die ab dem Jahr 2025 bereitstehen soll.

Cosco Shipping Lines bewegt augenblicklich ungefähr 80.000 TEU im Jahr über den Hafen Koper. Dieser Wert könnte mittelfristig aus zweierlei Gründen deutlich ansteigen. Erstens verfolgt die chinesische Linienreederei eine ambitionierte Wachstumsstrategie. Das gilt auch für „Tradelanes“ in den Mittelmeerraum mitsamt den Weiterleitungen in das Hinterland in Zentral- und Südosteuropa. Hier schlummert noch viel Potenzial, vermutet man in Shanghai. Zweitens wären die Cosco-Manager schlecht beraten, wenn sie alles auf die Karte Piräus setzen würden. Es kann immer etwas passieren, und dafür muss es Alternativen wie zum Beispiel die Seehäfen Koper, Triest oder Rijeka geben.

Österreich zählt zu jenen Ländern, die Cosco Shipping Lines besonders stark via Koper abdeckt. Das ist auch den Bahnverkehren geschuldet, díe zuletzt um neue Produkte wie den Maersk-Zug ab Enns und den Service der TFG Transfracht von Enns via Salzburg nach Hafen Koper ergänzt wurden. Überstrahlt werden diese Bahnshuttle beziehungsweise die Operationen ab Krems, Ybbs, Linz und Villach von den mindestens sieben bis zehn Rundlaufverkehren pro Woche auf der Achse Koper – Cargo Center Graz (CCG). „Damit erreichen wir einen wichtigen Marktanteil in Österreich“ rechnet Miha Kalcic vor.

Aktuell nutzen ungefähr 65 Prozent der Container mit Ladestellen oder Zielorten in Österreich den Verkehrsträger Schiene. Das Jahresaufkommen von 225.000 TEU wird von dem sehr erfolgreichen Stuffing-Geschäft begleitet, dessen Umfang Miha Kalcic mit rund 65.000 TEU beziffert (in 2018). Davon sind der Großteil 40-Fuß-Container, die für Auftraggeber aus den Branchen Holz, Papier, Zellstoff, Feuerfestprodukte, Getränke und Konsumgüter gestaut werden. Ein Kunde nutzt diese Möglichkeit sogar für Exporte zur USA-Westküste. Ansonsten überwiegen aber die Verschiffungen nach Asien, wovon auch die Cosco Shipping Lines profitiert. Allein dieser Umstand sollte die chinesische Containerreederei zu einer Fortsetzung und Vertiefung der Zusammenarbeit bewegen, wünscht man sich im Hafen Koper.

JOACHIM HORVATH

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