Internationale Umzüge: Eine Angelegenheit für Profis

Internationale Umzüge: Eine Angelegenheit für Profis

Ein paar Möbel in einen anderen Stadtteil zu transportieren – das bekommt bald ein Unternehmen auf die Reihe. Entsprechend groß ist auch die Auswahl an Umzugsbetrieben in vielen Städten. Wenn es jedoch darum geht, den kompletten Hausrat in ein anderes Land zu transportieren, winken viele Anbieter lieber ab. Kein Wunder, denn dabei gibt es viele Punkte zu beachten, die beim Transport innerhalb eines Landes keine Rolle spielen. Für Logistiker könnte es sich dennoch lohnen, sich ein wenig mit dem Thema zu beschäftigen. Denn es handelt sich dabei immer noch um eine lukrative Marktnische.

Für internationale Übersiedlungen in andere Kontinente ist der Seeweg die günstigste Variante und verursacht darüber hinaus auch noch weniger Emissionen als der Transport auf dem Luftweg. Pixabay.com © HesselVisser Public Domain

Was sind die gängigen Marktpreise bei internationalen Umzügen?

Wer sich überlegt, auf dem Marktumfeld der internationalen Umzüge tätig zu werden, der sollte zunächst recherchieren, welche Preise dafür derzeit verlangt werden können.

Dabei zeigt sich: Ein internationaler Umzug kann ein lukratives Geschäft sein. Allerdings sollten die Eigenkosten dafür auch keinesfalls unterschätzt werden. Zunächst geht es darum, zu unterscheiden, ob das Frachtgut über den Landweg oder per See- und Luftfracht transportiert wird.

Die Übersiedlung auf dem Landweg ist die einfachste und günstigste Variante

Bei der Landfracht kommt es vor allem auf die Größe des Umzugs und die Entfernung bis zum gewünschten Ziel an. In einer größeren Wohnung befinden sich in der Regel wesentlich mehr Gegenstände, die übersiedelt werden müssen.

Die Übersiedlung aus kleinen Wohnungen ins Ausland kostet bei Entfernungen bis zu 1.500 Kilometer je nach Ziel zwischen 400 und 1.000 Euro. Für längere Strecken können die Kosten auf bis zu 2.000 Euro steigen.

Bei großen Wohnungen über 100 Quadratmeter liegen die Marktpreise für die Kurzstrecke bei etwa 1.200 bis 2.200 Euro. Bei längeren Distanzen kann mit bis zu 4.000 Euro kalkuliert werden.

Wer langfristig am Markt erfolgreich sein möchte, sollte sich jedoch überlegen, sein Angebot etwas zuzuspitzen und beispielsweise nur Übersiedlungen in bestimmte Zielgebiete anzubieten. Denn Kunden sind in der Regel auf der Suche nach Experten und entscheiden sich lieber für jemand, der dabei mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrung aufwarten kann.

Geht es beispielsweise darum, einen Umzug in die Türkei einer großen Wohnung mit drei bis vier Zimmer professionell zu organisieren, können dafür aktuell rund 2.500 bis 3.000 Euro in Rechnung gestellt werden. Die Strecke von Berlin nach Istanbul beträgt rund 2.200 Kilometer. Dafür sollten realistischerweise zumindest drei bis vier Tage eingeplant werden.

Zusätzlich zu den „klassischen“ Dienstleistungen einer Übersiedlung ist es dabei auch möglich, seinen Kunden auch weiterführende Services wie etwa Unterstützung bei der Wohnungssuche, das Finden einer geeigneten Krankenversicherung am Zielgebiet oder die Organisation von gültigen KFZ-Kennzeichen für die Einreise anzubieten und sich so als Full-Service-Dienstleister zu etablieren.

Bei der Übersiedlung auf dem Seeweg kommt es vor allem auf die Entfernung an

Ist es möglich, den Zielort auf dem Landweg zu erreichen, so ist ein Umzug in einem oder mehreren Transportern in der Regel die günstigste Variante. Bei internationalen Umzügen in andere Kontinente liegt jedoch zumeist etwas Wasser dazwischen. Die preiswerteste Option ist in diesem Fall die Seefracht. Dafür müssen allerdings auch entsprechend lange Transportzeiten kalkuliert werden.

Schneller geht es mit dem Flugzeug. Allerdings sind auch die Kosten deutlich höher. Wer beispielsweise einen 20-Fuß-Container nach England transportieren möchte, zahlt dafür aktuell einen Marktpreis von rund 1.000 Euro. Bei einem 40-Fuß-Container verdoppeln sich die Kosten auf 2.000 Euro. Auf dem Luftweg werden hingegen 4.000 Euro dafür fällig.

Geht die Reise wesentlich weiter, beispielsweise vom Container-Hafen in Rotterdam oder Hamburg nach Kanada oder Australien, liegen die Kosten für einen 20-Fuß-Container bei etwa 2.500 bis 4.000 Euro, jene für einen 40-Fuß-Container bei rund 4.500 bis 7.500 Euro. Für die Luftfracht werden in diesem Fall hingegen etwa 12.000 Euro fällig.

Allerdings ist der Container in diesem Fall etwa 30 bis 45 Tage auf dem Schiff unterwegs. Eine Übersiedlung auf dem Seeweg ist deshalb ein Projekt, das langfristig geplant werden muss. Bei kleineren Wohnungen ist es nicht zwingend erforderlich, die Variante „Full Container Load“ (FCL) in Anspruch zu nehmen.

Mit Hilfe von „Less than Container Load“ (LCL) ist es möglich, die Übersiedelung etwas kostengünstiger anzubieten. In diesem Fall werden die Möbel und andere Habseligkeiten in einem Möbelkasten untergebracht, der dann auf den Container verladen wird. Dafür ist es als Unternehmer allerdings erforderlich, mit entsprechenden Partnerunternehmen zusammenzuarbeiten, die diesen Service anbieten. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass das wiederum einen beträchtlichen Teil der Marge „wegknabbert“.

Auf dem Luftweg funktioniert der Transport hingegen innerhalb weniger Tage. Der Flug selbst dauert nur wenige Stunden, die Schwierigkeit liegt in diesem Fall darin, so schnell wie möglich an freie Ressourcen zu gelangen. Das Projekt selbst wird bei dieser Variante von Partnerunternehmen wie beispielsweise DHL, UPS oder FedEx abgewickelt.

Wenn es schnell gehen soll, ist Luftfracht die beste Variante. Pixabay.com © mehmetkali Public Domain

Die Umweltbelastung nicht aus den Augen verlieren.

Eventuell kann es auch sinnvoll sein, seinen Kunden eine Mischform aus Luft- und Seefracht anzubieten. So können die dringend erforderlichen Gegenstände rasch an den Zielort befördert werden, während alles, was nicht so schnell benötigt wird, langsam den Weg über die Weltmeere antritt. Die Luftfracht hat noch einen weiteren Vorteil: Bei Transporten auf dem Seeweg kommt es wesentlich häufiger zu Beschädigungen als bei der Luftfracht. Bei der Mischvariante empfiehlt es sich deshalb, auch besonders zerbrechliche Gegenstände lieber in das Flugzeug zu packen.

Allerdings sollte dabei auch berücksichtigt werden, dass die Luftfracht weitaus mehr Emissionen verursacht als der Transport auf dem Seeweg. Genaue Auskunft über die jeweiligen Emissionswerte gibt der CO2-Emissionsrechner von Carboncare, der mit diversen Partnern aus Industrie und Behörden über fünf Jahre entwickelt wurde. Die Grundlage für die Berechnungen bilden dabei über 3,5 Mio. effektive, realistische und regelmäßig aktualisierte Messwerte.

Wer sich als verantwortungsvolles und nachhaltiges internationales Übersiedlungsunternehmen am Markt positionieren möchte, sollte diesen Aspekt berücksichtigen und versuchen, seinen ökologischen Fußabdruck nach Möglichkeit bei jedem einzelnen Auftrag so gering wie möglich zu halten. Als zusätzliche Leistung kann zu diesem Zweck auch noch die Kompensation von CO2 für klimaneutrale Transporte angeboten werden.

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