Logistiktrends im Überblick

Globalisierung, Urbanisierung, staatliche Auflagen, erhöhte LKW-Maut – auch für Bundesstraßen, schwankende Konjunkturen und immer öfters fallen Schlagworte wie „grüne Logistik“. Kaum eine Branche muss mit so vielen Restriktionen auskommen wie die Logistik – und lässt sich doch nicht unterkriegen. Folgende sechs Trends sollen einen Denkanreiz zur Weiterentwicklung nachhaltiger Logistik-Trends geben. Redaktion: Wolfgang Weber

1: Nachhaltiges Transportmanagement
Die LKW-Maut für Bundesstraßen hat sich in Deutschland bereits durchgesetzt. Auch in Österreich ist laut VCÖ eine Ausweitung der LKW-Maut ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Und auch die Ausweitung für CO2-Emissionen kommt! Frankreich macht den Anfang, andere europäische Länder werden folgen – der Staat greift wieder stärker in die Abläufe ein. Aufgrund der verschärften Kontrollen und der erhöhten Bußgelder ist die Einhaltung entsprechender Auflagen für das Transportmanagement unerlässlich. Genauso werden die zunehmenden wirtschaftlichen Schwankungen zu einer immer wichtigeren Einflussgröße, kaum eine andere Branche ist so stark von konjunkturellen Einflüssen geprägt wie die Logistik. Ein wirksames Mittel bei volatilen Märkten ist eine flexible Unternehmensorganisation durch schlanke Prozesse, transparente Informationen und straffe Kostenplanung.

2: Die grünen LKW
Einer der Top-Trends in der Logistik ist die Nachhaltigkeit. Immer mehr Unternehmen setzen auf umwelt- und ressourcenschonende Lieferkonzepte. Wirksame Maßnahmen werden durch eine bessere Planung von Ladungen und Routen, die Bündelung von Touren und die Überwachung von CO2-Emissionen gebildet. Aus einer Befragung von Verbrauchern in westlichen Industrieländern geht hervor, dass 50 Prozent der Konsumenten bereit sind, höhere Preise für umweltfreundliche Produkte und Leistungen zu bezahlen. Eine weitere Studie belegt, dass 90 Prozent der Geschäftskunden bei der Auftragsvergabe nachhaltig agierende Unternehmen bevorzugen. Bei grünen Investitionen sind finanzielle Unterstützungen durch den Staat gesichert. Neben Förderprogrammen, Subventionen und steuerlichen Vergünstigungen werden frühzeitig die Weichen für neue Regularien wie eine Emissions-Bepreisung gestellt. Auch die Nachhaltigkeit gewinnt als Ratingkriterium zunehmend an Gewicht und öffnet somit den Zugang zum Fremdkapital. Aus diesem Grund stehen ökologische und nachhaltige Geschäftsmodelle bei privaten wie institutionellen Investoren hoch im Kurs.

Vertikale sowie horizontale Kooperationen zahlen sich aus, da durch gemeinsame Läger und konsolidierte Lieferungen Emissionen und Kosten reduziert werden. Dies macht auch angesichts der Verknappung und Verteuerung von Rohstoffen Sinn. Durch eine nachhaltige und grüne Transportlogistik wird einer der größten Kostenfaktoren der Logistik ausgebremst – der Kraftstoff. So führt eine verbesserte Energieeffizienz direkt zu merklichen Einsparungen. Voll im Trend liegt die Stallhofner Innovationsschmiede „SFL“ mit dem kleinen Elektrotransporter „ELI“. ELI sieht zwar so aus wie ein Elektrotransporter, in Wirklichkeit ist sie jedoch eine fahrbare Energieplattform, die Kleingüter und Waren transportiert.

3: Menschen versorgen vs. Städte entlasten
Durch weniger Lärm, Staus und Kohlenstoff sollen Städte wieder aufatmen können. Maßnahmen wie Fahrverbote oder die City-Maut tragen dazu bei, dem gegenüber steht eine steigende Anzahl an Lieferungen in Ballungszentren. Dieser Trend wird durch die stark wachsende Einwohnerdichte und dem Wunsch nach hoch individuellen Produkten und prompter Zustellung weiter angetrieben. Die heutige sowie künftige urbane Versorgung fordert eine intelligente Steuerung der Logistikprozesse. In der zeitgemäßen City-Logistik beliefert ein LKW viele Geschäfte und nicht viele Laster je ein Geschäft. Durch eine vernetzte Mobilität bündeln und koordinieren Transport- und Handelsunternehmen ihre urbanen Lieferströme und entlasten somit nicht nur die Innenstädte, sondern erwirtschaften zugleich deutliche Kosteneinsparungen. Das Konzept der vernetzten Mobilität wird durch ganzheitliche Smart Grids für Städte konsequent weitergedacht, wo Warenflüsse zuerst in einem Umschlagzentrum außerhalb der Stadt zusammenlaufen und dann in umweltfreundlichen Fahrzeugen verteilt werden. In Paris werden durch ein solches Konzept bis 2015 rund 20 Prozent weniger Fahrzeuge unterwegs sein. Andere Idee: dynamische Tourenplanung. Elektronische Wechselverkehrszeichen – bald wohl auch Navigationsgeräte – informieren bei Staus über Umleitungen oder Alternativrouten, wodurch der Verkehr sich verteilt. Die Grazer ARGE MSdek, Entwickler videobasierter Verkehrsdetektionssysteme, lässt mit der Möglichkeit zur automatischen Steuerung des Verkehrs durch intelligente Detektions-, Ampel- und Hinweissysteme auf flüssigere Verkehrsströme hoffen.

4: Multimodale Mobilitätskonzepte
Fast 80 Prozent aller Güter werden über den Straßenverkehr befördert, die Folgen sind kilometerlange Staus, ein erhöhter CO2-Ausstoß sowie steigende Maut- und Spritkosten. Durch intermodale Transporte werden Logistikern günstige und intelligente Alternativen geboten. Vorteile: Fahrzeuge im Vor- und Nachlauf bei kombiniertem Verkehr dürfen bis zu 44 Tonnen wiegen und sind aufgrund gesetzlicher Förderungen teilweise von Fahrverbot an Sonntagen und Feiertagen ausgenommen. Zusätzlich lassen sich Lenk- und Ruhezeiten im intermodalen Verkehr leichter einhalten, da die in Zügen verbrachte Zeit der Fahrer aufgrund der ausreichend gebotenen Schlafzeiten als Ruhezeiten gelten. Hinzu kommt die hohe Sicherheit beim Schienenverkehr. Durch die leichte Abwicklung in den Terminals und die fest definierten Fahrpläne können Transportzeiten besser vorausgesagt werden. LKW auf der Schiene sparen Treibstoff, Abnutzung und Mautgebühren, jährlich lassen sich mehrere Millionen Tonnen CO2 durch multimodalen Transport für palettierte Waren weltweit einsparen.

5: Ressourcen als die wertvollste Fracht
Ein Großteil der LKW auf unseren Straßen ist ohne oder mit wenig Fracht unterwegs, obwohl dieser Raum durch bessere Planung und Zusammenfassung von Aufträgen effizient genutzt werden könnte. Eine dynamische Routenplanung mit stets der aktuellen Lage angepassten Daten würde helfen, dass Fahrer dadurch immer auf dem schnellsten Weg ans Ziel kommen – beispielsweise durch eine zentrale Informationsspeicherung. Diese gewährleistet den optimale Einsatz von Lastwagen, Fahrern und Ladungen und gibt und zusätzlich eine Übersicht, welche Fahrzeuge in der Wartung oder Reparatur sind, welche Mitarbeiter nicht verfügbar sind und ob es kurzfristige Auftragsänderungen gibt. Mittels digitalisierter Schreibarbeiten über mobile Endgeräte werden Fahrer entlastet und können sich um wichtigere Dinge kümmern, damit die Tour sicher und schnell erledigt ist.

6: Cloud-Mobility
Häufige Software-Updates und Hardwareprobleme halten Logistiker oftmals von ihrem eigentlichen Kerngeschäft ab. Cloud-Computing bietet hierzu einen sehr innovativen Lösungsansatz. Durch virtuelle Server und Dienstleistungen können Transportunternehmen sichere und flexible Lieferketten aufbauen, ohne sich zusätzlich um die IT-Infrastruktur zu kümmern. Es locken durchgängige Verfügbarkeit, Schutz vor Datenverlust und eine stets den Anforderungen angepasste Rechenleistung – egal ob Auftragsspitze oder Ruhephase. Dies funktioniert mittels zentraler Schnittstelle, um sämtliche IT-Anwendungen effizient nutzen und kombinieren zu können. Beispielsweise Systeme für Enterprise Ressource Planning, Warehouse Management, Tourenmanagement und Dokumentenmanagement.

Klare Sicht auf den Güterverkehr
Mithilfe der Cloud-Lösungen gehören teure Softwarelizenzen und –Updates sowie hohe Kosten für IT-Infrastruktur der Vergangenheit an. Durch die genaue Abrechnung der tatsächlich genutzten Leistung wird eine optimale Wirtschaftlichkeit gesichert. Nach Meinungen von Experten soll die neue Technologie Handel, Lieferlogistik und Hotellerie bis 2015 Zusatzeinnahmen in Höhe von über 55 Milliarden Euro bescheren. (WW/AT)

Quelle: LOGISTIK express Fachzeitschrift 3/2013

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