Nachhaltige Logistik in Asien: Die Zeit drängt in Fernost

Die Wirtschaften in Asien wachsen rasant. Aus Asien stammen bereits 60 Prozent der Treibhausgasemissionen – dies wurde im Mai 2016 auf der 49. Jahrestagung der größten Entwicklungsbank Asiens, die Asian Development Bank (ADB) verlautbart. Maßnahmen zur Minderung des Ausstoßes von Gasen, die zum Treibhauseffekt beitragen,  müssen schnell auch im Logistikbereich umgesetzt werden. 

Autor: Dirk Ruppik

Das Bundesministerium für wirt-schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat in diesem Zusammenhang das Projekt „Transport and Climate Change (TCC)“ für die ASEAN-Region initiert. Auch Logistikdienstleister wie Agility arbeiten intensiv an der „Grünen Logistik“.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind für Asien wichtig
Die Nachhaltigkeit von Logistik- bzw Versorgungsketten überspannt naturgemäß sehr unterschiedliche Einzelbereiche. Der Begriff Nachhaltigkeit bezieht sich in erster Linie auf die Reduzierung des Energieverbrauchs, von CO2 und anderen Treibhausgasen sowie Rußpartikeln. Die Bereiche umspannen das Fahrtraining für Lkw-Fahrer, die Aerodynamik von Fahrzeugen, Gewichtseinsparung,  treibstoffeinsparende Bereifung, Routenplanung, Ausbau von Infrastruktur bis hin zu politischen
Anreizen für die Umsetzung von Umweltrichtlinien.

Laut der Studie „Delivering Tomorrow – Zukunfstrend Nachhaltige Logistik“ der Deutschen Post AG liegen „vier der zehn Länder mit den höchsten CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in Asien. An erster Stelle steht China, aber auch Indien, Japan und Südkorea gehören zu den zehn größten Emittenten. Obwohl nur 5,5 Prozent aller motorisierten Fahrzeuge in China in der Transportindustrie eingesetzt werden, verursacht der Sektor mehr als 30 % des gesamten Erdölverbrauch des Landes.“

China hat beschlossen, seinen Energie-verbrauch pro BIP-Einheit bis 2020 um 40 bis 45  % gegenüber 2010 reduzieren. Ein erstes Pilotprojekt im Bereich „Grüne Lkw- und Fracht-logistik“ startete im südchinesischen Guangzhou in 2009, das zu einem größerem Projekt in Guangdong und zu einem chinaweitem Programm führte.

BMZ-Projekt für die ASEAN-Region in Phase 2
Um die Auswirkung einer zunehmenden Mobilität zu mildern, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent-wicklung (BMZ) die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in 2012 beauftragt, das Projekt „Energy Efficiency and Climate Change Mitigation for the Land Transport Sector of the ASEAN Region“ (Kurz: Transport and Climate Change (TCC)) in Kooperation mit dem Generalsekretariat für die ASEAN-Region durchzuführen.

Ende 2015 wurde die erste Phase des Projekts beendet. In dieser Phase wurden seit 2012 die Strategien und Aktionspläne der einzelnen Länder für die Verbesserung der Energieeffizienz und der Reduzierung von Treibhausgasen für den Landtransport entwickelt, eingeführt und überwacht. Die zweite Phase wird bis Ende 2018 implementiert. An dem Projekt nehmen direkt Malaysia, die Philippinen, Thailand und Vietnam teil. Das Projekt ist Teil des regionalen Programms „Cities, Environment and Transport in the ASEAN Region”.

Die zweite Projektphase, die in diesem Jahr begann, fokussiert auf die Zusammenführung der Aktivitäten aus der ersten Phase und der Unterstützung konkreter Maßnahmen zur Energieeffizienz und Reduzierung von Treibhausgasen sowie der Verbesserung der Einführung der Maßnahmen auf regionaler und nationaler  Ebene. Auf der Projekt-Webseite (http://transportandclimatechange.org)können Veranstaltungen, Publikationen und Ergebnisse des Projektes eingesehen werden.

Rahmenwerk für „Grüne Fracht und Logistik“ gefragt
Der Energieaufwand für den Frachttransport beläuft sich weltweit bereits auf 35 % des globalen Energieverbrauchs für Transport. In Asien soll sich der Straßenfrachttransport um 645 % bis 2050 steigern (verglichen mit 2000) und damit den Schienenfrachttransport hinter sich lassen. In Indonesien wuchs er zwischen 2000 und 2010 um 530,5 % und in China um 600 Prozent. Indonesien plant laut dem stellvertretenden Präsidenten für Wissensmanagement und nachhaltige Entwicklung bei der Asian Development Bank (ADB) Bambang Sosantono seine Treibhausgase bis 2020 um 41 % durch die Umsetzung von Aktionsplänen und die Ausweitung von intermodalem Transport zu senken.

Laut Tran Anh Duong, stellvertretender Generaldirektor des Transportministeriums Vietnams, hat die Volksrepublik eine nationale Green Growth Strategy ausgefertigt, die die Steigerung der Energieeffizienz, die Nutzung von erneuerbaren Energien sowie die Einführung des Frachttransports entlang der Küste und entlang der Inlandswasserwege vorsieht. Auf Thailands Straßen bewegen sich rund 140.000 Busse, 6,5 Millionen Kfz und sechs Millionen Dieselpickups. Gemäß Thibodee Harnparasert, Beiratsmitglied der Federation of the Thai Industries (FTI), verschlingt der Transportbereich alleine 36 % der Energie des Landes. Daher hat die FTI der Regierung ein Energieeffizienzprogramm für Logistik und Transportma-nagement vorgeschlagen, durch das 2.500 Angestellte von 240 Unternehmen trainiert wurden. Dazu gehört die Verkürzung der Ladezeiten, Reduzierung des Treibstoffs durch die richtige Reifenwahl und -druck, Senkung der Anzahl von Leerfahrten. Zudem kann mittels GPS und der Überwachung der Lkw-Bewegungen die Beladung optimiert werden. Singapur ist in der ASEAN-Region im Bereich der Technologiestandards für Lkw führend und will bis 2017 die Euro VI-Emissionsstan-dards implementieren.

Allerdings bestehen Probleme mit dem grenz-überschreitenden Verkehr aus Nachbarländern, denn die meisten ASEAN-Länder erfahren große Herausforderungen bei der Einführung von Treibstoff- und Fahrzeugstan-dards. Zudem müssen die Regierungen Lkw- und Fuhrparkbesitzer bei der Modernisierung der Lkw finanziell unterstützen. Laut Martin Schmied, Leiter der Abteilung I 3 Verkehr, Lärm und räumliche Entwicklung beim deutschen Umweltbundesamt, ist grundsätzlich eine Strategie für Grüne Logistik von Nöten, die alle Gebiete umfasst. Um Lösungen zur Verminderung von Emissionen zu finden, sollte die Methode der  Treibhausgasemissions-Berechnung berücksichtigt werden.  (Emissionen = Gewicht x Distanz x Emissionen pro Tonnenkilometer für den jeweiligenTransportmodus). Daraus ergeben sich folgende emissionsvermindernde Maßnahmen: Gewichtsreduzierung von Versendungen und Verpackungen, Reduzierung der zurückgelegten Distanzen (z. B. Near Sourcing, Routenmanagement), Reduzierung der spezifischen CO2-Emissionen des Fahrzeugs (Verminderung von Leerfahrten, Erhöhung des Ladungsfaktors und der Effizienz des Lkw, Nutzung von kohlenstoffarmen Treibstoff.

Maßnahmenkatalog zur Förderung von „Grüner Fracht“
Weitere Maßnahmen zur Förderung von „Grüner Fracht“, die durch die Teilnehmer des Workshops „Green Freight and Logistics in Asia“ der ADB und GIZ zusammengetragen wurden, sind z. B.
auf der technischen Seite die Verbesserung des Dieselantriebs und die Nutzung von Hybridantrieben. Die Optimierung der Logistik umfasst die Verbesserung der Stadtlogistik, Einführung von Verkehrsmanagmentsysteme und Routenplanung, die Ladungsoptimierung, das Bilden von Konsortien aus Fuhrunternehmen sowie die Schaffung einer Frachtlogistik-Informationsplattform.

Im Bereich der Verlagerung von Straßenfracht auf andere Transportmodi wurden u. a. folgende Lösungen gefunden: Einsatz von längeren  Zügen bzw. Doppeldecker-Zügen, Anpassung der Schienenfahrzeuge an Markt-erfordernisse, Verbesserung der Infrastruktur (Schaffen von gesonderten Schienenfrachtverbindungen, Elektrifizierung der Schienenwege, Beseitigung von Verkehrsengstellen), Erstellen von Logistikkonzepten (Schaffen eines Netzwerkes von multimodalen Frachtzentren, Einsatz von Blockzügen, Palettendurchlaufsystemen, Konzentration auf Marktsegmente,  die Schienentransport favorisieren) sowie die staatliche Regulierung (Besteuerung, Ermöglichen von Hafenwettbewerb und -modernisierung, Aufbau von Schifffahrtsnetzwerken, Beseitigung von physischen und Organisationsbarrieren).

Agility reduziert Emissionen für APAC-Kunden
Der schweizer Logistikdienstleister Agility nimmt an einer strategischen Partnerschaft im Bereich Nachhaltigkeit in der APAC-Region mit dem World Economic Forum teil. Laut Frank Clary, Leiter des globalen Corporate Social Responsibility-Programms beim Unternehmen, hilft Agility seinen Kunden bei der CO2-optimierten Versendung von Gütern. „Für den Asien-Pazifik-Raum haben wir  sehr effektive „grüne Lösungen“ entwickelt. Im Luftfracht-Programm konsolidieren und optimieren wir die Ladung und erreichen dadurch zehn Prozent Kosteneinsparung und CO2-Minderung. Ähnliches gilt für den Seefrachtbereich. Für einen Bekleidungshersteller verwenden wir  Verpackungsmaterial wieder. Zudem haben wir diesem Kunden hunderttausende von Dollars durch die Reduzierung der Umweltauswirkungen des Unternehmens bei gleichzeitig hoher Servicequalität über einen Zeitraum von sechs Jahren eingespart“, sagte Clary. Einem  globalen Telefonkonzern half der Logistiker die Emissionen um neun Prozent pro Jahr bei der Versendung von einer Million  Kilogramm Luftfracht zu verringern. Dabei wurden die Güter im Transitbereich konsolidiert und dichter gepackt, um Totraum zu vermeiden. Weiterhin wurde das Packgewicht und die Anzahl der Paletten reduziert. Dadurch verringerten sich die Emissionen als auch die Transportkosten. [DR]

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