Transportver(un)sicherung

Täglich werden weltweit Tonnen von Waren rund um den Globus transportiert. Wetter, Streiks, gewaltsame Konflikte, Unfälle oder auch Ungeschicklichkeit beim Be- und Entladen führen jährlich zu Schäden in Millionenhöhe. Versicherungsmöglichkeiten gibt es so viele wie Risiken – aber welche ist die richtige?

Laut Versicherungsverband Österreich wurden im Jahr 2013 im Rahmen der Transportversicherung 131 Millionen Euro an Leistungen ausbezahlt. Das entspricht etwa einem Promille des Wertes sämtlicher Importe desselben Jahres. Nicht erwähnt wird, wie hoch jene Schäden waren, die nicht oder nur teilweise gedeckt waren. Fakt ist, dass der Verlust einer wertvollen Ladung (egal wodurch) ein kleines Unternehmen in seiner Existenz gefährden kann. Um das zu verhindern, gibt es Versicherungen. Üblicherweise gilt lt. AÖSp die Verschuldenshaftung, dem Schadenverursacher muss also das Verschulden nachgewiesen werden, um den Schaden ersetzt zu bekommen. Zudem gelten je nach Transportmittel unterschiedliche, im jeweiligen Gesetz (z.B. UGB) geregelte, Höchsthaftungsgrenzen, die oft weit unter dem tatsächlichen Warenwert liegen. Strittige Schadensfälle können zusätzlich hohe Kosten verursachen, beispielsweise für Sachverständige. Manche Schäden sind durch die Gesetze überhaupt nicht abgedeckt.

Auf Nummer Sicher
Will man von der Haftung des Spediteurs unabhängig sein und die Höchst-haftung auf den tatsächlichen Warenwert ausdehnen, empfiehlt sich eine eigene Transportversicherung. Hier gibt es drei Varianten: eine Einzelabdeckung für einen Transport, eine projektbasierte Abdeckung für mehrere zusammenhängende Transporte oder eine Umsatzpolizze, die sämtliche Transporte innerhalb der Leistungsperiode (z.B. 1 Jahr) abdeckt und deren Prämie vom Unternehmensumsatz abhängt. Vorteil: das Verschulden muss nicht nachgewiesen werden! Grundlage der Transportversicherung sind in Österreich für gewöhnlich die AÖTB (Allgemeinen österreichischen Transportbedingungen), sonst die internationalen ICC (Institute Cargo Clauses), wodurch der Deckungsumfang festgelegt wird. Ein Irrglaube ist, dass durch den SVS (Speditionsversicherungsschein) sämtliche Transportrisiken gedeckt sind, denn hier gilt eine beschränkte Haftpflicht. So sind beispielsweise Schäden durch Krieg, Aufruhr, Streik, Plünderung und Kernenergie ausgeschlossen – ein Blick in die Tageszeitung zeigt aber, wie aktuell diese Themen gerade im internationalen Verkehr sind.

Drei Varianten
So individuell wie die Unternehmen und ihr Transportbedarf sind auch die Transportversicherungen. Vor Transportbeginn sollte jeder Transport dem Versicherer gemeldet werden, oft ist bei Einzelpolizzen eine „Deckungsbestätigung“ nötig – was allerdings bei unvorhergesehenen Transporten, beispielsweise am Freitagnachmittag, oft schwer realisierbar ist. Besser scheint hier die Projektpolizze, bei der ab Start eines Projektes sämtliche Einzeltransporte in Deckung genommen werden. Das gilt beispielsweise für mehrere Teillieferungen einer großen Bestellung – es werden im Vorfeld schon alle Eckdaten (z.B. Anzahl der Einzelfahrten, Dauer usw.) festgehalten – die Einzelanmeldung fällt weg. Vielversender könnten mit einer Umsatzpolizze gut bedient sein. Hierbei handelt es sich um eine pauschale Versicherung sämtlicher Waren, die innerhalb eines festgeleg-ten Zeitraumes versendet werden, ohne dass die einzelnen Transporte angemeldet werden müssen. Nebenbereiche können hier gut mitversichert werden, wie etwa Incoterms-Klauseln. Der administrative Aufwand fällt weg – aber ob man damit prämientechnisch am billigsten fährt, muss am Ende jeder selbst entscheiden.

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 3-2014

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