Vor einer neuen Phase im Straßengüterverkehr

Der Upply x Ti x IRU-Index für europäische Straßenfrachtraten zeigt, dass die Spot-Raten im vierten Quartal 2022 gegenüber dem dritten Quartal um 2,4 Indexpunkte gefallen sind. Dies ist der erste Rückgang des Spot-Index seit dem ersten Quartal 2020.

Die Spot-Raten liegen 18,1 Punkte über jenen des vierten Quartals 2021. In der Zwischenzeit ist der Index der Kontraktraten im vierten Quartal um 0,4 Punkte gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Die Kontraktraten liegen nun um 19 Punkte über dem Vorjahreswert. 

Der Rückgang der europäischen Spotraten ist auf die inflationsbedingte geringe Nachfrage in der Hochsaison zurückzuführen, die das Verbrauchervertrauen auf ein Rekordtief gedrückt hat. Die europäischen Lagerbestände sind weiterhin hoch. Die Inflation im Euroraum erreichte im Oktober einen Höchststand von 10,6 Prozent, und das Verbrauchervertrauen im Euroraum sank im September mit 95,1 Punkten auf einen historischen Tiefstand, der sich im vierten Quartal 2022 nur unwesentlich verbesserte. 

Die Spotraten gehen der Entwicklung der Vertragsraten häufig voraus, so dass der Rückgang des Index zusammen mit eindeutigen Indikatoren für eine kurzfristig geringere Nachfrage nach Straßengüterverkehrsdiensten darauf schließen lässt, dass die Vertragspreise ebenfalls sinken werden. Jeder Rückgang der Frachtraten in den nächsten Monaten dürfte jedoch durch den Druck von der Angebotsseite gedämpft werden, der dazu führt, dass die Betriebskosten im Straßengüterverkehr hoch bleiben, selbst wenn sich dieser Druck von der Angebotsseite allmählich auflöst. 

Kosten sind stets ein wichtiger Faktor bei der Bestimmung der Frachtraten. Im Durchschnitt waren die Dieselpreise im vierten Quartal 2022 um 21,5 Prozent teurer als im Jänner 2022, wodurch die Kosten und damit die Raten im vierten Quartal 2022 hoch blieben. Erste Daten vom Jänner 2023 zeigen, dass dieser Wert auf etwa 14,5 Prozent gesunken ist, was auf frühe Einsparungen für Verlader zu Beginn des ersten Quartals 2023 hindeutet. 

Thomas Larrieu, Chief Executive Officer bei Upply, kommentiert: „Wir sehen deutlich, dass die Spotfrachtraten sinken, und die Kontraktraten werden Anfang 2023 tendenziell folgen. Aber in welchem Ausmaß? Die Kosten für Straßengüterverkehrsunternehmen sind immer noch am höchsten, und der Fahrermangel wird sich nicht binnen eines Jahres beheben lassen. Meine Einschätzung für 2023: Die Kontraktraten werden um 3 bis 5 Prozent sinken, während die Spotraten aufgrund der unsicheren Verbrauchernachfrage immer stärker schwanken werden.“ 

Neue Daten der IRU zeigen, dass die Nachfrage nach Lkw-Fahrern im gesamten Jahr 2022 bis November gestiegen ist, wobei die Zahl der offenen Stellen für Lkw-Fahrer in den wichtigsten europäischen Transportländern im Dezember um 39 Prozent höher lag als im Jänner 2022. Allerdings hat sich die Nachfrage nach Fahrern im letzten Quartal leicht abgeschwächt: Die Zahl der offenen Stellen ging gegenüber dem dritten Quartal um 4 Prozent zurück, was wahrscheinlich auf den in diesem Quartal beobachteten Rückgang der Nachfrage im Straßenverkehr zurückzuführen ist. 

www.iru.org  

Quelle: OEVZ

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